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 Lao-Tse: Tao te King

Neues Thema eröffnenNeue Antwort erstellen Lerninsel des Ordens Foren-Übersicht » Hain der Birke - Hain für unsere Besucher » Öffentliche Diskussionen &sid=035f1e427f04c0692ae6e4673053022b » Östliches
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Urfaust
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BeitragVerfasst am: So 30 März, 2008 13:09    Lao-Tse: Tao te King Antworten mit ZitatNach oben

Wie von Lady Birgit empfohlen, würde ich gerne eure Meinungen zu Lao-Tses Klassiker lesen.

Da ich mir nun schon die Arbeit gemacht habe, den Text abzutippen, stelle ich ihn hier auch ein:
Nebenbei bemerkt, gibt es über 50 verschiedene deutsche (!) Übersetzungen von unterschiedlicher Qualität.

Lao-Tse - Jenseits des Nennbaren
---------------------------------------
Etwas Geheimnisvolles,
vereint in Sein und Nichtsein,
ohne Anfang entstanden,
vor Himmel und Erde.

Allein, unwandelbar,
immer gegenwärtig, immer bewegt.
Vielleicht ist es die Mutter aller Dinge.
In Ermangelung eines besseren Namens,
nenne ich es: das Tao.

Mich mühend, seine Art zu beschreiben,
kann ich es "groß" nennen.
Groß ausschreitend
zu den fernsten Fernen,
urgewaltig.
Und doch auch zum
kleinsten in sich zurückkehrend...

---
Das ewige Tao kann man nicht lehren.
Den ewigen Namen kann man nicht nennen.
Denn jenseits des Nennbaren
liegt der Ursprung der Welt.
Zehntausend Dinge kenn ich mit Namen,
leidenschaftlich gestaltet man sie.

Was geschieht namenlos, tatenlos,
ohne Verlangen?

---
Fragwürdig,
unerkannt,
dunkel im Dunkeln,
scheint uns das Tor.

Doch dies ist das Geheimnis:
Diesseits und jenseits,
das gleiche All.

---
Der Himmel scheint uns schön,
weil es Hässliches gibt.
Das Gute scheint uns gut,
weil es Böses gibt.

Doch hell und dunkel
ergänzen einander.
Vom Tal aus ist die Erde hoch,
vom Berg aus tief.
Oder umgekehrt?

Der Weise lehrt:
Zehntausend Dinge
entstehen und vergehen
wieder und wieder.
Erschaffen-
aber nicht als Besitz.
Erarbeitet-
aber ohne Profit.

Ist das Werk getan,
vergisst er es.
Darum währt es ewig.

---
Das Tao ist unfassbar
und unantastbar.

Dem Tao zu folgen
bedeutet zu leben.
Oja, es ist unfassbar
und unsichtbar -
und dennoch bildhaft.

Unbegreiflich ist es,
unberührbar -
und dennoch geformt.

Es verdämmert im Dunkeln-
und ist dennoch voll Inhalt.
Dieser ist wirklich und glaubhaft.

Von allem Anfang
bis in unsere Tage
wurde sein Name
niemals vergessen.

Woher ich das weiß?
Eben deshalb.

---
Gib nach, dann gewinnst du.
Neige dich, doch sei ehrlich.
Mach dich leer, so wirst du erfüllt.
Verbrauche alles, so machst du Raum
für Neues.

Hast du wenig, kannst du viel gewinnen.
Hast du viel, bist du verwirrt.

Der Weise lebt in der Einfalt
und ist ein Beispiel für viele.
Da er nicht zu glänzen versucht,
können alle sein Licht sehen.

Er tut sich nicht hervor,
doch ist er hervor-ragend.
Er achtet sich gering,
doch schenkt man ihm Beachtung.
Er ist nicht wetterwendisch
noch streitsüchtig.
Da er sich mit niemanden misst,
kann sich niemand mit ihm messen.

Darum sagten die Alten:
"Wer nachgibt, wird gewinnen!"
Ist das ein leeres Wort?

Sei voll-kommen
und alles kommt zu dir.

---
Das Tao ist wie ein Gefäß,
das alles sein in sich fasst.
Sich ewig hingebend,
doch nie aufgebraucht.

O unergründlicher Quell
aller Dinge.
Mildere die Schärfe.
Löse die Verwirrung.
Mäßige die Hitze.
Sammle das Verlorene.

O tief verborgen,
doch allgegenwärtig,
ich weiß nicht,
wessen Sohn du bist.
Du warst schon immer da...

---
Das Weltall
ist nicht zu beeindrucken.
Vor ihm
sind alle Dinge bloßer Schein,
der kommt und geht,
wie der Wechsel der Jahreszeiten.
So auch der Weise.
Er behandelt alle Menschen
wie Strohpuppen*.

*(Strohpuppen waren Figuren aus Stroh, die zwar während dem Ritual verehrt,
danach aber keine Verwendung mehr hatten und zertrammpelt wurden)

---
Der Raum zwischen
Himmel und Erde
gleicht einem Blasebalg.
Er verändert die Formung,
aber nicht die Form.
Je mehr er nachgibt,
desto mehr kann er bewirken.

Ach, viele Worte zählen wenig.
Ich halte mich an das Wesentliche:
Die Mitte.

---
Geborgenheit
ist nicht vergänglich.
Sie ist wie eine Frau,
mütterlich.

Ihr Schoß ist das Lebenstor
für Himmel und Erde.

Geborgenheit des Geistes
währet immerdar,
wie ein Schleier,
unsichtbar,
der uns umhüllt.

---
Himmel und Erde währen ewig.
Warum?
Sie wurden nie geboren,
folglich können sie nie sterben.

So auch der Weise:
Da er sich zurückhält,
ist er anderen voraus.
Da er nicht kleinlich ist,
kann er Großes vollbringen.

Durch selbstloses Handeln
formt er sicht selbst.

---
Das höchste Gut gleicht dem Wasser,
das untschiedslos alle Dinge nährt,
ohne sich darum zu bemühen.

Es gibt sich mit den niedrigsten
Orten zufrieden,
die man gemeinhin nur gering schätzt.
Ebendarum gleicht es dem Tao.

Beim Wohnen - Wohne auf festem Boden.
Beim Denken - Halte dich an das Einfache.
Beim Lenken und Führen - versuche nicht, Kontrolle auszuüben.
In der Arbeit - Tu, was dir Freude bereitet.
Im Streit - sei fair und großzügig.
In der Familie - steh voll und ganz zur Verfügung.

---
Wir formen mit Hilfe von Speichen ein Rad,
aber es ist das Loch in der Mitte,
das die Bewegung bewirkt.

Wir formen aus nassem Ton einen Krug,
doch es ist die Leere darin,
die das Gewünschte enthält.

Wir zimmern mit Brettern ein Haus,
doch es ist der Innenraum,
der es bewohnbar macht.

So ist das Sichtbare
zwar von Nutzen,
doch das Wesentliche
bleibt unsichtbar.

---
Zu viele Farben machen das Auge blind.
Zu viele Töne machen die Ohren taub.
Zu viele Gewürze machen den Geschmackssinn stumpf.
Zu viele Gedanken verderben den Geist.
Sorgst du dich um den Beifall der Menge,
wirst du ihr Gefangener sein.
Schärfst du dauernd dein Messer,
wird es stumpf werden.
Füllst du deine Schale bis zum Rand,
wird sie überlaufen.
Jagst du Reichtum und Sicherheit nach,
wird dein Herz sich niemals öffnen.

Der Weise lässt sich vom Gefühl her leiten,
und nicht vom Verstand.
Leicht lässt er jenes, und wählt dieses.

---
Die Meister aus alter Zeit waren
geheimnisvoll und weise.
Sie wussten die Antwort.
Ihre Weisheit war so unergründlich tief,
sie lässt sich gar nicht beschreiben.
Das einzigste, das wir beschreiben können,
ist das Erscheinungsbild jener Alten:

Sie waren vorsichtig wie jemand,
der einen zugefrorenen Bach überquert.
Achtsam wie ein Krieger in Feindesland.
Höflich wie ein Gast.
Großherzig wie eine Großmutter.
Würdevoll wie ein König.
Nachgiebig wie ein schmelzender Eisblock.
Einfach wie unbehauenes Holz.
Geheimnisvoll wie eine dunkle Höhle.
Undurchsichtig wie ein getrübter Teich.

Wer hat die Geduld, zu warten,
bis der Schlamm sich setzt
und das Wasser klar ist?
Wer kann Ruhe bewahren,
bis zum Augenblick der Tat?

Jene, die im Einklang mit dem Tao sind,
streben nicht ungeduldig nach Erfüllung.
Darum werden sie nicht fortgespült vom
Verlangen nach Veränderung.

Ruhe wird durch Dauer
allmählich erschaffen.

---
In dir sei Leere
und das Denken ruhe.
Zehntausend Dinge entstehen
und vergehen.
Sie wachsen und blühen
und kehren zur Quelle zurück.
Dein Selbst versinke
in Betrachtung
der ewigen Wiederkehr.
Ruhig und heiter ist
die Rückkehr zur Quelle.
Das ist der Weg der Natur,
unwandelbar.

Das Bleibende zu kennen,
bedeutet Einsicht.
Doch das Ewige zu erkennen,
klärt den Sinn.
Im göttlichen Bereich
bist du eins mit dem Tao.
Einssein mit dem Tao
bedeutet Unsterblichkeit.
Denn stirbt auch dein Leib,
das Tao bleibt ewig bestehen.

---
Den besten Führer kennt man kaum.
Der Nächstbeste ist der, den man liebt.
Der Drittbeste ist der, den man fürchtet.
Der Schlechteste ist der, den man verachtet.

Dem Herrscher, der keinem vertraut,
wird niemand vertrauen.

In alter Zeit kannten die Fürsten
der Wert ihrer Taten und den Wert
ihrer Worte.
Sie verrichteten ihre Arbeit
in Stille und Würde.
Das Volk fühlte sich frei,
denn es wusste:
"Er tut seine Arbeit,
wir tun die unsere."

---
Erst wenn das große Tao vergessen ist,
werden Güte und Anstand
als besonders gepriesen.
Erst wenn das natürliche Denken verfallen ist,
treten Klugheit und Wissen hervor.
Erst wenn die Liebe in den Menschen erloschen ist,
pocht man auf Kindespflicht und Elternrecht.
Erst wenn die Regierung korrupt geworden ist,
muss man ausdrücklich Beamtentreue fordern.
Erst wenn das Land ins Chaos gestürzt ist,
entsteht die Vaterlandsliebe erneut.

---
Schaffe Heiligkeit und Weisheit ab,
und die Menschen werden hundertmal glücklicher sein.
Schaffe Gesetz und Moral ab,
und die Menschen werden das Richtige tun.
Schaffe Ehrgeiz und Gewinnsucht ab,
und es wird keine Diebe geben.

Sollten diese drei Schritte nicht reichen,
so verweile einfach in der Mitte des Kreises,
und lass allen Dingen ihren Lauf.

---
Worin unterscheiden sich denn Erfolg
und Misserfolg?
Worin unterscheiden sich denn Ja und Nein?
Musst du schätzen, was andere schätzen?
Fürchten, was andere fürchten?
Wie lächerlich!

Ob du die Leiter hinauf oder hinunter steigst,
deine Stellung ist wackelig.
Wenn du beide Füße auf dem Boden hältst,
wirst du immer im Gleichgewicht sein.

Wie ein Neugeborenes,
bevor es zu lächeln lernt,
bin ich all-ein(s), ohne Bindung,
ohne sicheres Heim.

Andere haben mehr als sie brauchen,
ich allein habe nichts.
Ich bin wie ein Narr,
mein Geist ist so leer.

...
Andere sind so gescheit und klug,
ich allein bin stumpf und dumm.
Andere verfolgen bewusst einen Zweck,
ich allein weiß von nichts.
O, ich drifte dahin,
wie die Wellen des Meeres.
Ohne Ziel oder Absicht im Sinn,
wie der ruhelose Wind.

Jedermann sonst ist geschäftig und toll,
Nur ich allein bin tatenlos und still.

Ich bin anders.
Ich trinke aus den Brüsten der großen Mutter.

---
Wer sinnvoll handelt,
findet einen Sinn.
Wer wirklich lebt,
ist eins mit dem Leben.
Wer Armut kennt,
was hat der zu verlieren?

Kennst du den Sinn,
erkennst du ihn in Allem.

Stehst du im Leben,
ist es eins mit dir.
Kennst du den Verlust,
kann Armut dich nicht schrecken.

Wer sich selbst nicht treu ist,
dem wird man nicht trauen.

---
Wer andere erkennt, ist gelehrt.
Wer sich selbst erkennt, ist wahrhaft weise.
Wer andere besiegt, hat Muskelkraft.
Wer sich selbst besiegt, ist wahrhaft stark.
Wer zufrieden ist, ist reich.
Wer seine Mitte nicht verliert,
ist unüberwindlich.

Für ihn ist der Tod nichts anderes,
als Verwandlung.

---
Das Schwere ist die Wurzel des Leichten.
Das Stille ist der Unruhe Herr.
Drum stelle dich dem Schweren,
solange es noch leicht ist.

Der Weise, wandernd weite Wege,
trägt mit sich, was er braucht.
Alle Herrlichkeit sieht er,
doch besitzen will er nichts.
Wer verantwortlich ist für viele,
kann Entscheidungen nicht
für sich allein treffen.

Lässt du dich von Rastlosigkeit antreiben,
verlierst du die Verbindung mit deinem inneren Kern.


---
Wer vorauseilt,
kommt nicht weit.
Wer zu glänzen versucht,
verdunkelt sein eigenes Licht.
Wer Macht hat über andere,
kann sich selbst keine Macht verleihen.
Wer sich an sein Werk klammert,
wird nichts schaffen, was von Dauer ist.

Der Meister tut sein Werk
und lässt dann los.
Ebendarum währt es ewig.

---
Das Tao ergreift nicht Partei.
Es bringt sowohl das Gute als auch das Böse hervor.
Die Meister ergreifen nicht Partei.
Ihnen sind sowohl Heilige als auch Sünder willkommen.
Das nennt man:
"Dem Lichte folgen."

Was anderes ist ein guter Mensch,
als der Lehrer eines schlechten?
Was anderes ist ein schlechter Mensch,
als die Aufgabe eines guten?
Wenn du das nicht begreifst,
gerätst du auf Irrwege,
wie intelligent du auch sein magst.
Es ist das große Geheimnis.

---
Wer männliche Stärke
mit weiblicher Hingabe vereint,
ist wie ein Flussbett.
Im Flussbett der Welt
fließt ewiges Leben.
Seit Ewigkeiten, und doch immer frisch.
Kindlich kehrt es zur Quelle zurück.

Wer leuchten kann wie eine Lampe,
obwohl er im Dunkeln bleibt,
erhellt die Finsternis.
Die Finsternis der Welt
wird erleuchtet vom ewigen Leben.
Immer strahlend und stetig
zurückkehrend ins Ungewordene.

---
Wer seine Würde bewahrt,
auch in einem geschändeten Leben,
ist wie ein tiefes Tal.
Das Tal der Welt ist erfüllt
vom ewigen Leben.
Siehe, es macht alles neu
und unberührt
und einfach.

Den Block zu behauen heißt,
ihn brauchbar zu machen.
Guter Weiser weiß,
doch redet kaum.
Guter Schneider schneidet wenig.

---
Glaubt ihr, dass ihr die Welt
beherrschen und verbessern könntet?
Wie oft haben wir erlebt,
dass dies mißlingt!

Das Universum ist vollkommen
und kann nicht verbessert werden.
Wer es verändern will,
verdirbt es.
Wer es besitzen will,
verliert es.

Der Weise meidet Übertreibung,
Verschwendung und Selbstsucht.

---
Das große Tao ist allgegenwärtig.
Zur Rechten und zur Linken
verdanken zehntausend Dinge
ihm ihr Dasein.
Nichts behält es für sich.

Still erfüllt es sein Werk,
ohne jeden Besitzanspruch.
Es ernährt und vollendet alle Dinge,
doch spielt nicht Herr über sie.
Ehrgeizlos ist es
und sehr klein.

Und da alle Dinge von ihm kommen
und alle Dinge zu ihm zurückkehren,
obwohl es nicht Herr über sie spielt,
muss es sehr groß sein.

Seine wahre Größe besteht darin,
dass es ihrer nicht bewusst ist.

---
Wer in der Einheit lebt,
den begleiten die Guten,
denn da sind Ruhe, Glück
und Frieden.

Wer da vorbeikommt, wird glauben,
er komme da zu Festmahl und Musik,
denn die Beschreibung des Tao
ist ohne Geschmack oder Ton.

Er wird schauen,
und sieht nichts Besonderes.
Er wird lauschen,
und hört nichts Besonderes.
Doch ist er ergriffen
von Unsagbarem,
irgendwie...

---
Je mehr Waffen es gibt,
desto weniger sicher
werden die Menschen sein.
Je mehr Gesetze es gibt,
desto mehr Gesetzesbrecher
wird es geben.

Was anderes ist Bestrafung,
als legalisierte Tyrannei?

---
Nur Aufgebautes
kann man niederreißen.
Vor dem Empfangen
muss das Geben stehen.

Was abnimmt,
muss zuvor gewachsen sein.
Das, was versagt,
zuvor bestanden haben.

Dies ist die Erkenntnis
von der Natur der Dinge:
Das Weiche, Schwache
besiegt das Harte und Starke.

Kein Fisch kann
ohne weiches Wasser leben.
Und keinem Land nützt Waffelgerassel.

---
Wenn die Regierung Geld ausgibt,
für Waffen, anstatt für Hilfsprogramme.
Wenn die Fabriken Waffen bauen,
anstatt Traktoren und Lastzüge.
Wenn reiche Spekulanten Erfolg haben,
während Bauern ihr Land verlieren.
Wenn die Reichen immer reicher werden
und die Armen immer ärmer...
All das ist Raub und Chaos.
Es stimmt nicht mit dem Tao überein.

---
Wenn die natürliche Güte verloren geht,
entsteht die Freundlichkeit.
Wenn die Freundlichkeit verloren geht,
ensteht die Rechtschaffenheit.
Wenn die Rechtschaffenheit verloren geht,
entsteht die Moral.
Wenn die Moral verloren geht,
entstehen Sitte und Ritual.

Das Ritual ist die bloße Hülle
des wahren Glaubens,
der Anfang vom Ende.

Wehe der Sucht nach Wahrsagerei.
Der Meister lebt im Hier und Jetzt,
im Sein und nicht im Schein.
Er sorgt sich nicht um Fernes,
sondern tut das Nächstliegende.

---
Der Menschenfreundliche tut etwas,
doch "etwas" bleibt ungetan.
Der Gerechte tut etwas,
und vieles bleibt noch zu tun.
Der Moralist tut etwas
und wenn niemand reagiert,
krempelt er die Ärmel hoch
und wendet Gewalt an.

(Einfügung Urfaust: Das war ein göttlicher Absatz!)

---
Ausgleich ist das Wesen des Tao.
Rückkehr und Nachgiebigkeit
die Bewegung des Tao.

Zehntausend Dinge entstehen
und vergehen auf diese Weise.

Sein wird geboren aus Nicht-Sein.


---
Das Männliche liebt das Weibliche.
Wenn Männliches und Weibliches
sich verbinden,
erlangen alle Dinge Einklang.
Harmonie entsteht durch
die Verbindung dieser Kräfte.

Die Gewöhnlichen hassen das
Gefühl von
Einsamkeit.
Doch der Meister macht es sich zu nutze.
Er verinnerlicht sein All-Eins-Sein und
erkennt, dass er Eins ist
mit dem gesamten Universum.

Wer gewinnt, muss verlieren.
Wer verlor, wird gewinnen.

Was andere lehren, lehre auch ich:
"Der Gewalttätige wird keines natürlichen Todes sterben."
Dies sei der Mittelpunkt der Lehre.

---
Das Allerweicheste auf Erden
bezwingt das Allerhärteste.
Das, was keine Substanz hat,
dringt ein, wo kein Zwischenraum ist.

O, ich kenne den Wert des Nicht-Handelns.
Lehren ohne Worte,
Wirken ohne Taten.
Wer versteht das?

---
Ruhm oder Lauterkeit- Was ist wertvoller?
Geld oder Glücklichsein - was ist wichtiger?
Erfolg oder Misserfolg - Was ist schädlicher?

Gewinn hier, Verlust da - Was ist schmerzlicher?

Glück, das von anderen Dingen abhängt,
ist wahres Elend.
Wer Schätze sammelt, wird Verlust erleiden.
Doch der Genügsame ist niemals enttäuscht.
Er hat keine Erwartungen - was könnte ihm zustoßen?

---
Ohne je aus dem Haus zu gehen,
kannst du die Welt kennen.
Ohne je aus dem Fenster zu sehen,
kannst du das Wesen des Tao erschauen.
Je mehr du daran denkst,
desto weniger begreifst du es.
Je mehr du es zu fassen versuchst,
desto mehr entfernst du dich von ihm.

Der Weise versteht die Welt,
ohne zu reisen.
Er sieht, was in der Ferne ist,
ohne dort zu sein.
Er wirkt ohne Taten.

Der Weise hat keinen Eigensinn.
Er lebt im Sinne aller.

Er ist gut, zu denen, die gut sind.
Er ist auch gut, zu denen, die nicht gut sind.
Das ist wahre Güte.

Er vertraut denen, die vertrauenswürdig sind.
Er vertraut auch denen, die nicht vertrauenswürdig sind.
Das ist wahres Vertrauen.

Der Weise ist scheu und still,
verwirrend für seine Mitmenschen.
Sie blicken zu ihm hin und warten.
Er behandelt sie wie seine eigenen Kinder.

---
Der Anfang der Welt
ruht in der Mutter aller Dinge.
Wer die Mutter kennt,
erkennt sie in allen ihren Kindern.

Wer die Kinder kennt und bleibt
durch sie mit der Mutter verbunden,
ist frei von der Furcht des Todes.

Das Unscheinbare zu beachten,
ist Einsicht.
Der Gewalt auszuweichen,
ist Stärke.

Benutze das äußere Licht,
um Einblick in die Welt zu gewinnen,
so wirst du - vor Leid behütet -
Beständigkeit erlernen.

---
Warum ist das Meer der König
über alle Ströme?
Weil es niedriger liegt, als sie.

Willst du die Menge führen,
so musst du lernen, ihr zu folgen.
Willst du das Volk regieren,
so musst du lernen, dich unter es zu stellen.
Die Meister stehen über dem Volk,
und niemand fühlt sich unterdrückt.
Weil sie sich nicht zeigen,
können alle ihren Glanz sehen.

Der Meister wendet alle Verletzungen ab
und kennt keine Müdigkeit,
denn das ganze All wird ihn in seinem Tun
unterstützen.
Lob versetzt ihn in Hochstimmung,
Kritik entmutigt ihn nicht.
Ehrgeiz und Wettstreit können ihn
nicht erreichen.

---
Ein geschickter Feldherr
ist nicht aggressiv.
Ein geschichter Krieger
ist nicht gewalttätig.
Ein geschickter Sieger
wünscht, dass sein Gegner in Bestform ist.

Die Generäle haben einen Spruch:
Statt einen Zentimeter vorzurücken,
sollte man lieber einen Meter zurückweichen.

Das nennt man die Kunst des Nicht-Streitens.
Es ist die Tugend des Friedfertigen.
Er ist fähig, die Menschen zu führen.

Denn von Alters her wird dies genannt:
Die Übereinstimmung mit dem Himmel.

---
Unglück herrscht,
wo Ehrfurcht fehlt.
In andere Wohnungen dränge dich nicht.
Anderer Arbeit störe nicht,
und mische dich nicht
in intime Bereiche.
So wird man deiner nicht überdrüssig.

Der Weise weiß,
aber nicht um zu glänzen.
Selbstachtung hat er,
doch nicht Arroganz.

Leicht lässt er jenes,
und wählt dieses.

---
Weich und schwach wird der Mensch geboren.
Im Tode ist er hart und steif.
Grüne Pflanzen sind zart
und mit Lebenssaft gefüllt.
Verdorrt und trocken
sind sie im Tode.

So lernt der Starke, Unbeugsame
vom Tode.
Der Sanfte, Nachgiebige
vom Leben.

Eine unbewegliche Armee
kann nie die Schlacht gewinnen.
Ein unbiegsamer Baum
zerbricht im Sturm.

Das Harte und Starke wird fallen.
Das Weiche und Geschmeidige wird überdauern.

---
Es gibt nichts Weicheres
und Nachgiebigeres unter dem Himmel,
als Wasser.
Doch um harten Granit anzugreifen,
kenne ich nichts Besseres.

Das Schwache kann das Starke bezwingen,
das Zarte besiegt das Grobe.
Jedermann unter der Sonne weiß das.
Doch die wenigsten können danach handeln.

---
Der Weise sagt:

Wer auf sich nimmt,
die Qualen seiner Brüder,
ist einem König gleich.

Wer sich für die Verwüstungen
der Erde mitschuldig bekennt,
ist fähig, die Welt zu regieren.

Wahres klingt oft paradox.

---
Wahres Wort ist nicht immer schön.
Schönes Wort ist nicht immer wahr.
Der Weise redet nicht.
Wer redet, ist nicht weise.
Weisheit ist nicht Wissenschaft,
Wissenschaft nicht immer weise.
Der Weise häuft keinen Besitz an.
Was er für andere tut,
tut er für sich.
Durch das, was er anderen gibt,
vermehrt er seinen Überfluss.
Das Gesetz des Himmels
ist unverletzlich,
doch verletzt es keinen.
Das Gesetz des Weisen ist zwanglos.

---
Nach einem bitteren Streit
bleibt immer ein bitterer Rest.
Was kann man tun?

Kein Streit - keine Schuld.

Der Weise behält zwar seinen Anteil vom Gewinn,
aber er treibt nicht die Schuld von anderen ein.

Ein großzügiger Mensch trägt einfach seinen Teil
zum ganzen bei.
Ein kleinlicher muss immer von andern die
Erfüllung ihrer Pflichten fordern.

Das Tao ist immer unbestechlich.

Die Unordnung der Menschen ordnet es.

...

So, dass war die Übersetzung (Großteil von Linde von Keyserlingk).
Es gibt aber noch eine etwas bessere Version,
von der ich bei Interesse demnächst ein paar Strophen
einstellen kann.

euer
Urfaust

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Lady Birgit
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BeitragVerfasst am: So 30 März, 2008 13:16    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Und was ist nun Deine Meinung Urfaust?

Birgit

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Lillykatz sagt: Mau

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Urfaust
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BeitragVerfasst am: So 30 März, 2008 17:08    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Meine Meinung? Nun ich mag diesen Text, sonst hätte ich ihn wohl nicht abgeschrieben.
Bzgl. dieses Themas ist es ratsam mehrere verschiedene Übersetzungen zu lesen. Da gibts gewaltige Unterschiede.

Urfaust

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Lady Birgit
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BeitragVerfasst am: So 30 März, 2008 17:31    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Warum magst Du den Text, was siehst Du darin ?
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BeitragVerfasst am: Mo 31 März, 2008 01:35    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Wie bewertest Du, ob eine Version die bessere ist?
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Ich bin der, der ich bin. Das kann ich nicht ändern, aber ich kann ändern, wie ich dazu stehe.

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BeitragVerfasst am: Mo 31 März, 2008 12:39    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

-> Bewertung: Weil man das "spürt". Beim lesen. Viele Menschen halten sich beim Übersetzen sehr genau an den Wortlaut. Das muss nicht unbedingt falsch sein. Aber bei diesem Titel hab ich die Erfahrung gemacht, dass die "Pointe" besser rüber kommt, wenn freier übersetzt wird.
Die Ausgabe von Stephen Mitchell (6 Euro) gefällt mir bis jetzt am besten.

Ich sehe in dem Werk eine sehr tiefgründige Schau des "So-Seins der Dinge". Schließe mich da Eckhart Tolle an, wenn ich schreibe: "Eines der tiefsten Bücher, die ich kenne".

Gruß
Urfaust

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